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Bericht
Autor
Leonie

Containern gegen Lebensmittelverschwendung

Zusammenfassung

Beim Containern holen Menschen Lebensmittel aus dem Müll, um noch Genießbares zu retten. Normalerweise passiert das möglichst ungesehen, denn Containern ist strafbar. Am vergangenen Samstag in Zähringen haben Aktivistis jedoch bewusst eine Container-Aktion öffentlich gemacht.

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Lebensmittel aus der Mülltonne zu retten ist illegal. Das hat das Bundesverfassungsgericht im Jahr 2020 noch einmal bekräftigt. Die Menschen von "Aufstand der letzten Generation" - eine bundesweite Organisation gegen Lebensmittelverschwendung - wollen das ändern und machen Aktionen gegen die Lebensmittelverschwendung, auch in Freiburg. Am Samstag, den 29.01.2022, haben Menschen Lebensmittel aus den Tonnen eines Supermarktes in Freiburg Zähringen gerettet. Einer davon, Tobias März, hat sich daraufhin selbst bei der Polizei angezeigt. Die geretteten Lebensmittel wurden auf dem Zähringer Platz verschenkt.

Wenn man die gesamte deutsche Lebensmittelversorgungskette betrachtet, landen jährlich 12 Mio Tonnen Lebensmittel in der Tonne (Quelle: Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft).

Bericht über die Aktion in der BZ

Twitter-Video zur Aktion.

Pressemeldung von "Aufstand der letzten Generation"

Heute haben wieder Bürger:innen, dieses Mal in Freiburg, Essen aus Mülltonnen gerettet, mit dem Ziel es öffentlich zu verschenken und sich dafür teilweise selbst wegen Diebstahls anzuzeigen. Die Aktion findet mehr als ein Monat nach der Containern-Aktion von Pater Jörg Alt statt. Diese hatte ebenfalls im Rahmen der Kampagne der Letzten Generation für ein Essen-Retten-Gesetz stattgefunden und für bundesweite Unterstützung gesorgt.

“Wir sind die letzte Generation, die die Klimakatastrophe noch aufhalten und die Ernährung unserer Gesellschaft und unserer Kinder sicherstellen kann. Dazu müssen die einfachsten Maßnahmen sofort umgesetzt werden”, konstatierte Tobias März, ein Bürger der Letzten Generation Freiburg, der bei der Aktion dabei war.

“Die Verschwendung von Lebensmitteln im Großhandel muss sofort, vollständig und gesetzlich verbindlich gestoppt werden. Zu diesem Zweck brauchen wir das Essen-Retten-Gesetz, das bereits beschlussbereit vorliegt!”, forderte eine weitere Bürgerin der Letzten Generation Freiburg.
Der neue Bundeslandwirtschaftsminister Cem Özdemir sagte in einem Interview mit dem RND zum Jahresende: “Es hat sich gezeigt, dass es nicht reicht, auf freiwillige Vereinbarungen zu setzen, wie es die Vorgängerregierung gemacht hat.”[1] Dennoch baut sein eingereichter Vorschlag erneut auf freiwillige Lebensmittelspenden von Supermärkten.

Auch die deutschen Verbraucherzentralen fordern, dass nicht mehr nur wie bisher auf Freiwilligkeit und unverbindliche Appelle gesetzt wird, sondern endlich gesetzliche Vorgaben die Lebensmittelverschwendung hierzulande stoppen.[3]

Sogar das Umweltbundesamt stellt fest, dass als Folge des Klimawandels abnehmende Niederschlagsmengen und mehr Trockentage zu beobachten sind und dass dies auch in Deutschland schon zu deutlichen Ernteeinbußen führte zum Beispiel im Dürrejahr 2018 bei Getreide um 18 Prozent unter dem normalen Ertrag. [6]

Rechtsausschussmitglied Canan Bayram verkündete am vergangenen Mittwoch 19.01.2022
in der zehnten Sitzung des neuen Bundestags: “Ebenso ungerecht ist es, Menschen dafür zu
bestrafen, dass sie Lebensmittel aus dem Müll retten. Nein, das sind für mich Helden die
will ich feiern und nicht bestrafen.”[5]

Der Letzten Generation zufolge sind in den vergangenen Wochen solche “Held:innen” vermehrt in vielen Städten der Bundesrepublik unterwegs gewesen.

Die erste Forderung der Letzten Generation ist, große Supermärkte zu verpflichten, noch genießbares Essen zu spenden und so gegen den Welthunger vorzugehen und deutlich ihren CO₂-Ausstoß zu reduzieren. Damit das passiert, muss die Bundesregierung ein Essen-Retten-Gesetz nach dem Vorbild Frankreichs einbringen. Ein ausgearbeiteter Gesetzesentwurf liegt vor.

Bei der zweiten Forderung geht es darum, dass die neue Bundesregierung innerhalb der ersten 100 Tage gesetzliche Maßnahmen für eine echte Agrarwende bis 2030 festlegt, um die Ernährung der deutschen Bevölkerung zu sichern und Erdüberhitzung und Artensterben einzudämmen.

Die Letzte Generation ist eine Bewegung, die 2021 aus einem Hungerstreik von 7 entschlossenen Bürgerinnen und Bürgern im Regierungsviertel in Berlin vor der Bundestagswahl hervorging; damals hatten die jungen Menschen ein Gespräch mit Bundeskanzler Scholz erstritten, das im Dezember 2021.



 

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Fotos von "Aufstand der letzten Generation"

Zuletzt geändert
04.02.22, 09:55