Art des Artikels
Bericht
Autor
Leonie

Die Uni ist besetzt - für eine sozial-ökologische Wende

Zusammenfassung

Die Initiative Transformations-Uni 2.0 ruft eine Besetzung der Uni aus. Sie fordern von der Universtitätsleitung den sozial-ökologischen Notstand aufzurufen.

Haupt-Inhaltsfeld

Seit Montagabend, den 20.06.22, besetzten Aktivistis der Initiative "Transformations-Universität 2.0" den Hörsaal 1010 des Kollegiengebäudes I der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg.

Was fordern die Aktivistis?

Sie fordern von der Albert-Ludwigs-Universität, den sozial-ökologischen Notstand auszurufen. Des Weiteren soll die Grundordnung  der Universität geändert werden, sodass sie eine Selbstverpflichtung der Universität enthält, "den Schutz der globalen Ökosysteme voranzutreiben und soziale Ungleichheiten global und national zu  bekämpfen."

Gesamte Forderungen im Detail:

  • den sozial-ökologischen Notstand auszurufen und diesen öffentlich in Text und Videostatement zu verbreiten
  • §2 Abs. 3 der Grundordnung zu folgendem Wortlaut zu ändern: „Unter Wahrung der Wissenschaftsfreiheit gemäß Art. 5 Abs. 3 Grundgesetz (GG) sind Forschung, Lehre, Studium und Weiterbildung auf friedliche und die Lebensgrundlage sichernde Ziele ausgerichtet. Daher verpflichtet sich die Universität, den Schutz der globalen Ökosysteme voranzutreiben und soziale Ungleichheiten global und national zu bekämpfen.“
  • den obigen Bericht in auffälligen Farben auf A0-Plakaten an jeden Ein- und Ausgang aller universitären Gebäudes spätestens zum 30.07.2022 auszuhängen so lange bis die notwendigen Maßnahmen getroffen worden sind um die sozial-ökologische Krise zu bewältigen. Der Fortschritt soll von Transformations Universität 2.0 und dem Rektorat der Albert-Ludwigs- Universität jährlich zusammen geprüft werden.
  • eben jenen Bericht in digitaler Form an alle Lehrenden, Studierenden und Arbeitenden der Universität Freiburg sowie an alle PartnerInnen aus Wirtschaft, Politik und Lehre zu senden
  • sich der transformativen Wissenschaft zu verpflichten und dies im Leitbild des Lernen und Lehrens festzuschreiben. Daraus folgt, dass Interventionen der Wissenschaft im Angesicht der sozial-ökologischen Krise in soziale und politische Prozesse gerechtfertigt sind.
  • an die deutsche Bundesregierung zu appellieren, den sozial-ökologischen Notstand auszurufen.
  • an die internationale Staatengemeinschaft zu appellieren, das Pariser Klimabkommen zu einem Klimavertrag weiterzuentwickeln.

von https://transformationsuni20.noblogs.org/forderungen/

Was passiert jetzt?

Die Aktivistis laden Studierende, Professor:innen und die Leitung der Universität zur Diskussion ein. Der Lehrbetrieb soll in dem Hörsaal durch die Besetzung so lange eingestellt bleiben bis die Unileitung, stellvertretend für die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, den sozial-ökologischen Notstand ausrufe und die nötigen Konsequenzen daraus ziehe.

Die ersten Gespräche mit der Uni-Leitung fanden bereits Dienstagvormittag statt. Weitere werden folgen.

Was kann ich tun?

Die Aktivistis wollen einen offenen Raum schaffen und gemeinsam an einem Standpunktpapier arbeiten. Es wird mehrere Podiumsdiskussionen und Musik geben. Am Dienstagmorgen haben Aktivistis aus dem globalen Süden, die auf Deutschlandtour unterwegs zum G7-Gipfel sind, die Besetzung besucht.

Das aktuelle Programm findest du >> hier.

Am Mittwoch, den 22. Juni, um 17 Uhr findet zum Beispiel eine Podiumsdiskussion zur Geschichte des Zivilen Ungehorsams in Freiburg statt. Mit dabei ein generationen-übergreifendes Podium mit Michael Moos als Aktivist der 68er Bewegung, Günther Rausch aus der Anti-AKW Bewegung und Zoe Ruge von Aufstand der letzten Generation.

Pressemitteilung vom 20.06.22

Besetzung der Universität Freiburg
Klimaaktivist:innen haben die Universität Freiburg besetzt! Unter dem Namen „Transformations-
Universität 2.0“ besetzten sie ab Montagabend den Hörsaal 1010 des Kollegiengebäudes I , der  
momentan wichtigste Hörsaal im Betrieb. Sie fordern unter anderem von der Albert-Ludwigs-
Universität, den sozial-ökologischen Notstand auszurufen. Des Weiteren soll die Grundordnung  
geändert werden, sodass diese enthalte „Unter Wahrung der Wissenschaftsfreiheit gemäß Art. 5  
Abs. 3 Grundgesetz (GG) sind Forschung, Lehre, Studium und Weiterbildung auf friedliche und die  
Lebensgrundlage sichernde Ziele ausgerichtet. Daher verpfl ichtet sich die Universität, den Schutz  
der globalen Ökosysteme voranzutreiben und soziale Ungleichheiten global und national zu  
bekämpfen.". „Die Menschheit befindet sich in einer Notsituation: multiple ökologische Krisen  
gefährden akut das Leben von 3,3-3,6 Milliarden Menschen“, so heißt es in den Forderungen. Die  
Klimaaktivist:innen berufen sich damit auf den 2022 veröffentlichten IPCC-Bericht. Dieser  
ökologische Kollaps erfordere sofortige Maßnahmen. Als Institution der Forschung und Lehre  
ständen die Universitäten in der Verantwortung, diese Maßnahmen voranzutreiben. „Gerade als  
eine Universität, die sich Nachhaltigkeit groß auf die Fahne schreibt, und viel Forschung in dem  
Bereich betreibt, ist es wichtig, dass sich die Universität Freiburg öffentlich zu den Fakten bekennt  
und klarmacht, wie kurz wir vor einem ökologischen und damit sozialen Zusammenbruch stehen“,  
so Klimaaktivistin Leonie. Die Aktivist:innen betonen, dass es sich um eine friedliche Besetzung  
handele. „Wir wollen mit der Universität ins Gespräch kommen und laden sowohl sämtliche  
Studierende, als auch Professor:innen und die Leitung der Universität zur Diskussion ein. Es geht  
darum, einen offenen Raum zu schaffen, und gemeinsam an einem Standpunktpapier zu  
arbeiten“, sagte Lucas, einer der Pressesprechenden der Gruppierung. Verschiedene  
Programmpunkte seien organisiert, beispielsweise mehrere Podiumsdiskussionen, Musik und  
viele Gespräche. Ein Highlight sei der Besuch von Aktivist:innen aus dem globalen Süden, die auf  
ihrer Deutschlandtour unterwegs zum G7-Gipfel zum Frühstück am Dienstagmorgen  
vorbeikämen. Darunter seien unter anderem die namibische Klimaaktivistin Ina-Maria Shikongo,  
die Menschenrechtsaktivistin Binnizá-Indigene Bettina Cruz Velasquez aus Mexiko, und der  
mexikanische Aktivist Elir Negri Lavin. „Wir freuen uns riesig, dass die Aktivist:innen aus dem  
globalen Süden sich die Zeit nehmen, um mit uns zu sprechen. Es ist unheimlich wichtig, dass wir  
diese Stimmen hören, um uns die bereits akuten Ausmaße des Klimawandels zu verstehen“, so  
der Pressesprecher. Wie lange die Klimaaktivist:innen den Hörsaal besetzen, hinge davon ab, wie  
kooperativ sich die Leitung der Universität zeige. Der Lehrbetrieb sei damit in diesem Hörsaal  
eingestellt, bis die Unileitung, stellvertretend für die Albert-Ludwigs-Universität Freiburg, den  
sozial-ökologischen Notstand ausrufe und die nötigen Konsequenzen daraus ziehe.
Die ausführlichen Forderungen und Programmpunkte der Transformationsuni 2.0 lassen sich auf  
der Website https://transformationsuni20.noblogs.org nachlesen.

 

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Weitere Medienberichte:

SWR am 21.06.22: Klimaaktivisten besetzen Hörsaal der Uni Freiburg

BZ am 27.06.22: Klimaaktivisten räumen besetzten Hörsaal an der Uni Freiburg

 

[UPDATE am 01.Juli 2022:]

Die Besetzung der Uni wurde am Montag, den 27. Juni nach einer Woche beendet. Die Universitätsleitung ist den Kernforderungen der Studierenden nicht nachgegangen. Dennoch verbuchen die Aktivistis Erfolge: Den Studierenden konnten am Mittwoch, den 29.06. vor dem Senat sprechen und dürfen nun einen Antrag stellen. Es sollen zudem weitere Gespräche mit der Universitätsleitung stattfinden.

Pressemitteilung vom 27.06.

Die Transformations Universität 2.0 besetzte seit Montagabend den momentan größten und wichtigsten Hörsaal der Universität Freiburg. Jeder Tag war mit interessantem Programm gefüllt und sowohl Studierende als auch Professor*innen kamen in den neu geschaffenen Raum um Gespräche zu führen. Es kam zu vielen interessanten Gesprächen und immer mehr Menschen solidarisierten sich mit der Transformations-Universität 2.0. Darunter einige Professor*innen und Umweltgruppen, aber auch renommierte Wissenschaftler*innen, wie Wolfgang Cramer (Mitautor des IPCC) oder Peter Kalmus (Klimawissenschaftler bei der Nasa). Um 10 Uhr am Montagmorgen räumt die Transformations-Universität 2.0 freiwillig den Hörsaal 1010 im KG1, um einen Schritt auf das Rektorat zuzugehen. Den Gesprächen wurden nur unter Bedingung einer Räumung eingewilligt. Die Gruppe gibt noch eine große Kundgebung in dem Hörsaal 1010 und stimmt die über 200 aktiven Unterstützer*innen auf die kurze Demonstration ein. Die Demonstration läuft dann gegen 10 Uhr friedlich auf das Rektorat zu. Die Sprecherin der Gruppe meint: „Ich bin sehr froh, dass so viele Leute trotz des schlechten Wetters hier sind. Wir zeigen dem Rektorat, wie viele Menschen hinter unseren Forderungen stehen.“ Gegen 10:30 Uhr erreicht die Gruppe das Rektorat und veranstaltet eine große Kundgebung. Sie rufen: „Show me what democracy looks like! - This is what democracy looks like!“ Nach einem Poetry-Slam und einer sehr eindrucksvollen Rede zieht das Verhandlungsteam in das Rektorat. Leonie Zwiessler, Pressesprecherin und Teil der Verhandlungsteams meint: „Wir hoffen, dass das Rektorat die Dringlichkeit der sozial-ökologischen Krise anerkennt und die Universität ihre gesellschaftliche Verantwortung sieht.“ Die Gruppe bleibt friedlich vor der Tür, doch nicht gerade leise. Sie rufen, klatschen und sprechen dem Verhandlungsteam mit Musik von unten Mut zu. Nach ungefähr einer Stunde erscheinen die vier Verhandler*innen wieder vor der Tür und werden mit tosendem Applaus empfangen. Direkt wird verkündet: „Wir haben viel erreicht! Wir dürfen vor dem Senat sprechen und einen Antrag stellen. Außerdem werden Plakate erarbeitet um Studierende auf die sozial-ökologische Krise aufmerksam zu machen!“ Dennoch zeigt sich Lucas Zander, Pressesprecher und Verhandler enttäuscht: „Die Uni zeigt sich ihrer gesellschaftlichen Verantwortung gegenüber völlig unangemessen. Frau Prof. Dr. Krieglstein weist die Verantwortung der Universität ab und meint die Uni könne nur an die Gesellschaft appellieren, Verantwortung zu übernehmen. Das enttäuscht und macht uns wütend. Denn genau das Übernehmen der gesellschaftlichen Verantwortung, die die Uni als Teil der Wissenschaft innehat, ist unser zentrales Anliegen!“ Die Transformations-Universität 2.0 würde sich dennoch auf erneute Verhandlungen freuen, vor allem sei die Gruppe sehr froh, einen so großen Rückhalt aus der Gesellschaft, Studierendenschaft und Wissenschaft erreicht zu haben. Die Transformations-Universität 2.0 könne ihre Erfolge hoch schätzen, viele der Anwesenden meinen, sie seien genau durch diese Aktion in die aktive Handlung gekommen und haben sich nicht mehr machtlos. „Die Transformations-Universität 2.0 hat mich aufgeweckt. Die Gruppe hat mich inspiriert auch aktiv zu werden, mich einzubringen und die Welt zu verändern.“, sagt eine Unterstützerin, die am Mittwoch in den Hörsaal dazugestoßen ist. Am kommenden Mittwoch wird die Senatssitzung ein weiterer interessanter Termin für die Transformations-Universität 2.0 und damit für die sozial-ökologische Transformation.

 

Zuletzt geändert
01.07.22, 11:27