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Interview
Unternehmen im Porträt
Autor
Veronika

„Learning by Burning“ für die Gründung eines nachhaltigen Mobilfunkanbieters

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Zusammenfassung

Andreas Schmucker von WEtell im StadtWandler Interview. Andreas ist Mitgründer und Geschäftsführer des ersten nachhaltigen Mobilfunkanbieters. Er erzählt wie nachhaltiger Mobilfunk funktioniert, was ihn motiviert und was es für eine Gründung alles braucht.

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Leonie und Veronika aus der StadtWandler-Redaktion im Gespräch mit Andreas Schmucker von WEtell.

Interview vom 21.07.20

Was ist WEtell?

WEtell erklärt sich am einfachsten über einen Vergleich zu anderen Dienstleistern. Es gibt längst coole, nachhaltige und ethische Alternativen zu Dienstleistungen, die man im Alltag bezieht, aber nicht weiter berücksichtigt. Da ist meine Bank, mein Stromtarif, mein E-Mail Host. Im Bereich Mobilfunk gibt es sowas noch nicht und genau diese Lücke schließt WEtell. WEtell sieht sich selbst als nachhaltiger Mobilfunkanbieter. Und Nachhaltigkeit verstehen wir bei WEtell als drei Säulen, das sind: Klimaschutz, Datenschutz und Fairness und Transparenz. Für alle diese Bereiche setzen wir uns besonders ein, um ein nachhaltiges Produkt, eine nachhaltige Dienstleistung aufzubauen.

“Nachhaltigkeit verstehen wir bei WEtell als drei Säulen, das sind: Klimaschutz, Datenschutz und Fairness und Transparenz.“

Wie ist die Idee dafür entstanden, einen nachhaltigen Mobilfunkanbieter hochzuziehen?

Es gab einen Zeitpunkt, als jede und jeder von uns angefangen hat, die ganzen Dienstleistungen, die man nutzt, mal unter dem Aspekt Nachhaltigkeit zu sehen. Uns ärgerte da unwissentlich und so nebenher verbrannte Erde zu hinterlassen. Und bei diesem Screening fiel auf, dass man keinen nachhaltigen Handyvertrag findet. Es ist allerdings schon ziemlich lange her, dass diese Idee entstand und dann verging viel Zeit. Bis irgendwann ein Impuls von Nico kam, sich zusammenzusetzen und etwas Unternehmerisches im Bereich Nachhaltigkeit zu tun. Und dann haben wir diese Idee mitgenommen und hier durch den Grünhof beschleunigt und jetzt hat es tatsächlich geklappt.

Ihr wart drei Gründende am Anfang?

Wir sind vier Gründende eigentlich. Wir sind Alma, Nico, ich und Benni. Benni ist aber nicht operativ tätig. Das ist die Ursprungsbesetzung, in der wir immer noch unterwegs sind.

Was unterscheidet euch genau von anderen Mobilfunk Anbietern?

Es ist ein bisschen schwierig hier den Roundhousekick zu machen. Es gibt über hundert Mobilfunkanbieter in Deutschland und jeder differenziert sich ein bisschen anders. Der Markt reguliert sich im Mobilfunkbereich vor allem über Preis oder Leistung. Du kriegst entweder mehr Gigabyte oder noch mehr Abos dazu oder eine noch bessere Netzabdeckung. Oder aber du kriegst das ganze viel, viel billiger. Das sind die zwei Stellschrauben, die es gibt. Das macht Sinn und ist ein gängiger Weg in unseren Wirtschaftssystemen. Aber wir wollen uns durch Mehrwerte differenzieren. Es gibt die Kerndienstleistung. Die funktioniert bei uns genauso mit verschiedenen Datentarifen. Aber wir bringen auch noch das Mehrversprechen mit, dass wir als Unternehmen voll auf Nachhaltigkeit setzen, was wir mit bestem Wissen und Gewissen umsetzen wollen. Damit wollen wir auch versuchen die Branche zu ändern. Wir sind am Anfang mit solchen Inhalten und Idealen und haben es schwer uns hier gegen etablierte Strukturen zu positionieren, aber das ist unser Ansatz.

 „Wir bringen das Mehrversprechen mit, dass wir als Unternehmen voll auf Nachhaltigkeit setzen, was wir mit bestem Wissen und Gewissen umsetzen wollen.“

Du hast zu Beginn das Schlagwort „Transparenz“ genannt, was genau bedeutet das für euch?

Fairness und Transparenz nennen wir immer gerne zusammen, weil sie Hand in Hand gehen. Wir wollen die Attitüde ändern, die man dem Mobilfunk nachsagt: Über Lockangebote zu kommen, den besonders günstigen Preispunkt mitzunehmen und in einem 24-Monats Vertrag zu binden, der sich, solange man nicht kündigt, automatisch um weitere 24 Monate verlängert und dann teurer wird. Das finden wir unfair und intransparent, weil viel im Kleingedruckten steht, was man nicht mitbekommt. Und deswegen bieten wir monatlich kündbare Tarife an. Wir gehen mit Transparenz aber noch viel weiter. Wir wollen überall dort informieren, wo wir finden, dass es  kundInnenrelevant ist. Beispielsweise würden wir gerne anbieten, dass man in unseren monatlich kündbaren Tarifen zu einem niedrigeren Tarif wechseln kann. Das ist aber rein technisch, wegen unserer Partner, nicht möglich. Das finden wir total schade, aber wir spielen es ganz transparent nach vorne. Damit jeder darüber informiert ist.

Wer sind eure Partner?

Wir sind im Vodafone Netz und binden über den Serviceprovider Tele2 an. Darüber hinaus sind wir aber auch mit vielen Unternehmen aus dem Nachhaltigkeitsbereich verpartnert. Das sind zum Beispiel echte Ökostromanbieter wie Greenpeace Energy oder Polarstern. Shift phones, als Hersteller für faire Smartphones und Tablets oder Ecosia als nachhaltige Suchmaschine, um nur ein paar zu nennen. Mit all diesen Unternehmen verbindet uns die gemeinsame Mission etwas zu verändern und die Gesellschaft und den Markt zu mehr Nachhaltigkeit zu transformieren.

Ihr wollt mehr Datenschutz für eure Kundinnen und Kunden. Das ist sicher schwierig, wenn ihr auch vom Provider abhängt. Wie schafft ihr das?

Das ist tatsächlich total schwierig. Unsere Ideale und unsere Ziele gehen weit über das hinaus, was wir insbesondere zum Anfang hin umsetzen können. Uns ist Datenschutz sehr wichtig. Wir versuchen alle unsere Prozesse dahingehend zu optimieren, dass KundInnendaten geschützt sind. Das ist eine sehr große Gemengelage mit vielen Unternehmen und Gesetzen und Richtlinien. Es spielt Vodafone mit, Tele2, das Telekommunikationsgesetz, die Finanzbehörden und so weiter. Die alle haben ihren eigenen Anspruch daran, wie lange Daten wo gespeichert werden und was damit gemacht wird. Und das mit unserem eigenen Anspruch unter einen Hut zu kriegen ist nicht ganz trivial. Gesprächsdaten, wann man wie mit wem telefoniert, werden im Netz generiert. Die liegen bei Vodafone, werden dann zu Tele2 gespielt und kommen am Ende zu uns. Es lässt sich gar nicht vermeiden, dass unsere Partnerunternehmen diese Daten haben, weil sie sie zum Teil selbst generieren. Was wir bereits jetzt hinkriegen ist, dass Vodafone den Klarnamen nicht kennt, nur die Sim-Karten Nummer. Dadurch wird der Datensatz weniger wertvoll, um ihn irgendwie weiterzuverkaufen. Außerdem arbeiten wir daran die ganzen Speicherdauern aufs Minimum zu reduzieren. Häufig hat man durch die Gesetzgebung einen Zeitraum, in dem man Daten speichern kann. Branchenüblich ist es, den aufs Maximum zu schieben. Meistens nicht aus bösem Willen, sondern weil es praktisch ist, zum Beispiel, wenn eine Kundenreklamation kommt und man dann auf diesen Datensatz zurückgreifen kann. Wir wollen Prozesse entwickeln, die dahin gehen, die Daten schneller zu löschen. Das sind aber Prozesse, in denen wir uns befinden. Wir haben einiges erreicht, aber wir haben noch Vieles vor uns. In unserer Kooperation ist es weder uns, noch unseren Partnern erlaubt, Daten zu  Werbezwecken zu veräußern.

 „Wir haben einiges erreicht, aber wir haben noch Vieles vor uns.“

Abgesehen davon klopfen wir alle Prozesse, die wir selbst in der Hand haben, maximal nach Datenschutz Kriterien ab. Beispielsweise benutzen wir für die interne Kommunikation keine Messenger, die performant und frei verfügbar sind und die datenschutzrechtlich nicht in Ordnung sind. Wir haben uns Alternativen gesucht, die sicher sind. Unser eigenes Finanzbuchhaltungssystem, wo unsere Server stehen, wie wir mit unseren eigenen Daten umgehen, ist sicher.

In puncto Ökologie habt ihr die Lösung gefunden, den Strom, den ihr verbraucht zu kompensieren?

Genau. Unser Versprechen ist, dass die Treibhausgasemissionen, die durch die Mobilfunknutzung entstehen, entweder vermieden oder kompensiert werden. Außerdem werden sie überkompensiert, sodass es einen negativen ökologische Fußabdruck gibt. Auch hier haben wir die Situation, dass wir mit Partnerunternehmen zusammenarbeiten. Wir benutzen das Netz der Vodafone und haben zunächst keine Einflussnahme. Unser Ansatz ist, dass wir die entstandenen Emissionen aus Netznutzung und Netzbereitstellung berechnen und entsprechend kompensieren. Zusammen mit Partnern bauen wir neue Solaranlagen hier in Deutschland. Dadurch speisen wir Grünstrom ins Netz und verdrängen Emissionen, indem wir Graustrom verdrängen. Unser langfristiges Ziel ist es, so den Markt zu verändern, damit es nicht mehr notwendig wird, die Emissionen zu kompensieren, weil Vodafone, Telekom und o2 ohnehin umdrehen und die ganzen Netze nachhaltig betreiben.

 „Unser Versprechen ist, dass die Treibhausgasemissionen, die durch die Mobilfunknutzung entstehen, entweder vermieden oder kompensiert werden.“

Zum Thema langfristige Ziele und Visionen. Wie stellt ihr sicher, dass eure Unternehmenswerte auch erhalten bleiben und, dass WEtell nicht irgendwann aufgekauft wird?

Das ist eine angenehme Frage, weil wir dafür eine sehr geile Lösung haben. Erstmal sind wir jetzt bereits im Prozess der Gemeinwohlökonomiebilanzierung. Den haben wir aber noch nicht abschließen können, weil wir zu früh dran sind. Es gibt keinen Ansatz dafür das mit Startups umzusetzen, weil das Produkt und die Prozesse noch nicht final stehen. Deswegen lässt sich darauf keine ordentlich Gemeinwohlbilanz erstellen. Wir sind hier so weit gegangen, wie wir gehen können und jetzt wo wir am Markt sind, können wir es zu Ende bringen. So eine Gemeinwohlbilanz bring viel Verbindlichkeit und ein gewisses Maß an Langfristigkeit rein. Aber wir sind noch viel stärker unterwegs. Wir sind auf dem Weg zu Purpose. Per Handschlag haben wir uns auf den Weg geeinigt, denn wir finden alle das Konzept großartig. Es fixiert die Unternehmensphilosophie und lässt sie nicht veräußerbar werden.

Wie seid ihr auf Purpose gekommen? Und wie ist die Umsetzung davon für euch als Startup? Ist das viel Aufwand?

Wir haben engen Kontakt zu Ecosia und die haben uns irgendwann mal klar gesagt: „Wir machen nicht weiter mit euch, wenn ihr nicht Purpose werdet“. Dadurch waren wir so ein bisschen gezwungen, uns damit auseinander zu setzen, was Purpose genau ist und was es bringt und fanden es dann total geil. Dann haben wir uns gewundert, warum wir das als Hürde gesehen haben, denn es war ja toll, dass wir Purpose machen und dadurch mit Ecosia weiter machen konnten. Komplex scheint das nicht zu sein. Es hat eine Zeit lang gedauert bis wir das Konstrukt internalisiert hatten, weil es schon sehr anders ist als das, was man aus dem konventionellen Wirtschaften kennt. Jeder musste erstmal für sich selbst damit klarkommen, ein Stück abzugeben von dem, was wir uns zu viert aufbauen und es dadurch größer werden lassen. Purpose bedeutet einfach, man tritt von seinem Besitztum an der Nummer zurück und ist so lange noch mit von der Partie, wie man mitspielt und danach halt nicht mehr. Uns war kognitiv klar, dass das eine coole Sache ist, es musste emotional aber erstmal Raum bekommen. Das ist meines Erachtens nach das Komplizierteste daran. Was jetzt faktisch noch passieren muss, ist die Umschreibung des GesellschafterInnenvertrags, aber das ist eine Formalie.

 „Purpose bedeutet einfach, man tritt von seinem Besitztum an der Nummer zurück und ist so lange noch mit von der Partie, wie man mitspielt und danach halt nicht mehr.“

Wie lief euer Marktstart ab?

Wir sind zum 15.Juli erst einmal soft live gegangen. Jetzt haben wir unsere eigenen Customer Service Mitarbeitenden, die die ganze Zeit am Telefon und an den Emails sind. Man kann jetzt bei uns Tarife kaufen. Mittlerweile haben wir - Stand heute- knapp 500 aktive Verträge. Das ist ziemlich gut gelaufen, insbesondere vor dem Hintergrund, dass wir die ersten sechs Wochen bis zum 1. September den leisen Marktstart haben. Solange haben wir nur in den eigenen Kanälen informiert, nämlich die Kunden, die damals in der Crowdfunding Kampagne Gutscheine gekauft haben, die bei der Übergangslösung dabei waren oder uns auf Social Media folgen. Das sind etwa 3000-6000 Individuen, die wir informiert haben. Ab 1.9. gehen wir laut nach außen, dann geht das Marketing und der Vertrieb los. Der leise Marktstart hat den Hintergrund, dass wir erstmal unsere Systeme zum Laufen bringen. Wir operieren gerade ganz schön am offenen Herzen, das ist viel Learning by Burning, weil wir nicht die Möglichkeit und Zeit hatten, das alles vorher schon mal abzuprüfen und zu testen. Die Menschen, die uns bis hierher gefolgt sind, sind sehr identifiziert mit uns und da haben wir viel Vertrauensvorschuss. Wenn wir da mal Mist bauen, wird uns das nachgesehen.

          Das WEtell Team

Erzählst du uns noch was dein Hintergrund ist? Wie war dein beruflicher Werdegang?

Ich bin von Haus aus Ingenieur für Mirkosystemtechnik. Ich habe gelernt, wie man im Pharmamedizinischen Bereich Prozesse optimiert und wie man Computerchips mit funktioneller Einheit designt. Das fand ich aber immer ein bisschen langweilig, weil mir der Antrieb und der Sinn dahinter fehlte. Ich bin dann in die Erneuerbaren Energien gewechselt. Ich war schon während des
Studiums Hilfswissenschaftler und hab dann auch meine Diplomarbeit in der Solarforschung geschrieben, am Fraunhofer Institut für Solare Energiesysteme. Das fand ich ziemlich cool, weil ich einerseits das Gelernte anwenden konnte und andererseits an etwas Sinnvollem dran war. Das war gut, aber mir war die Selbstwirksamkeit nicht groß genug. Ich wollte irgendwie mehr und habe mich dann selbstständig gemacht mit einer technischen Unternehmensberatung im Bereich Erneuerbare Energien und ziemlich abgedrehte Projekte im mittleren Osten begleitet. Solarsysteme auf Speerspitzengebäuden der Kategorie Elbphilharmonie. Das war richtig scharf. Dort unten sitzt man auf Energie, bisher auf Öl, aber eigentlich sitzt man auch unter der Sonnenenergie. Dort durch richtig stylische Angeber-Projekte Solarenergie so ein bisschen en vogue zu machen, war sehr aufregend. Gleichzeitig habe ich mit einem Kumpel ein Ingenieurbüro aufgemacht und wir haben genau das andere Ende der Solarenergie betrachtet. Wir haben in Entwicklungsländern Anlagen projektiert und umgesetzt. Beispielsweise eine erneuerbare Stromversorgung für ein kleines Dorfkrankenhaus. Ich war viele Jahre bei „Ingenieure ohne Grenzen“ tätig und daraus kam dieses Engagement und wurde zum Ingenieurbüro. Ich bin mittlerweile ausgestiegen, für die nächste Idee mit WEtell.

 „Ich wollte irgendwie mehr und habe mich dann selbstständig gemacht.“

Was braucht es, um so ein Unternehmen zu gründen?

Es braucht vor allem viele eigenen Antrieb, viel Motivation, viel Lust und Kreativität. Auch ein ausreichendes Maß an Naivität. Man darf sich nicht so viele Fragen stellen wie, wie lange dauert das eigentlich oder wie hoch ist das Risiko. Optimismus ist einfach wichtig.

Wie habt ihr GründerInnen von WEtell euch dann gefunden?

Ich war in diesen Engagements, die ich grade beschrieben habe und ich war auch schon unternehmerisch tätig. Das fand ich ganz geil, habe aber gemerkt, dass das Team, mit dem ich unterwegs war, noch nicht so richtig geil war. Deswegen hatte ich in mir so eine Suche. Die anderen drei sind auch schon auf ihre Weise selbst losgelaufen. So sind wir zusammengekommen. Das Wichtigste an der ganzen Geschichte ist das gute Team, finde ich. Ein starkes, verlässliches und verantwortungsvolles Team ist das A und O für so einen Unternehmensstart. Wir hatten so viele Durststrecken, die wir nicht gemeistert hätten, wenn wir nicht beieinander gewesen wären und da spielt auch ganz viel auf der emotionalen Ebene.

Wie würden deine MitgründerInnen dich beschreiben? Und was schätzt du an ihnen?

Also von uns vieren bin ich bestimmt der Lauteste und der größte Spaßvogel. An allen sind es unterschiedliche Qualitäten, die ich schätze. Das ganz Große, was ich an allen dreien schätze ist, dass sie sehr gewissenhaft und vertrauenswürdig sind, dass alle zu ihrem Wort stehen und aber alle auch in der Lage sind ihre Meinung zu ändern, Fehler einzugestehen mit Fehlern zu leben und mit Fehlern umzugehen. Wir diskutieren gerne, viel und heftig. Das braucht viel Zeit, aber in der retrospektive merkt man, dass es diese Zeit echt wert war, weil wir es dadurch geschafft haben argumentativ auf einen Nenner zu kommen und eine gemeinsame Linie zu fahren. Das ist dann wiederum total effektiv für die Zukunft, weil wir darauf aufbauen können.

 „Wir diskutieren gerne, viel und heftig. Das braucht viel Zeit, aber in der retrospektive merkt man, dass es diese Zeit echt wert war.“

Wie hat euer Umfeld auf eure Idee, dieses Unternehmen zu gründen reagiert?

Wenn man sich hier bewegt, wo viel auch Startup-Spirit drin ist, war die Reaktion durchweg positiv. Es gab sehr viel Aufregung und viel Respekt, den wir entgegengebracht bekommen. Auch im privaten Umfeld finden alle die Idee und die Aktion cool, auch wenn einige es nicht so richtig verstehen. Häufig ist die Frage: „Nachhaltiger Mobilfunk, wofür braucht‘s das eigentlich, was ist das?“ Aber Respekt und Wertschätzung ist da auf jeden Fall. Wir haben alle vier viele Glückwünsche aus dem Umfeld bekommen, dafür dass wir es jetzt an den Markt geschafft haben. Das ist eine schöne Sache.

Was würdest du Menschen raten, die auch eine gute Idee haben und was gründen wollen? Hast du ein paar wenige Worte, die du denen mit auf den Weg geben kannst?

Das ist das Thema Optimismus und Antrieb. Wenn da eine geile Idee ist und eine Bestrebung, dann dran bleiben! Versuchen, das zu verwirklichen, keine Angst davor haben und stetig weitergehen. Außerdem möglichst schnell damit nach außen gehen und nicht auf diesem Intellectual Property Ding zu bleiben- „Ich darf's bloß niemandem erzählen, denn sonst machts jemand anderes.“ Das ist Bullshit. Es gibt so wenige Leute, die einfach mal was machen. Es ist viel wichtiger sich Sparringspartner reinzuholen, um zu verstehen, ob diese Idee denn wirklich so cool ist, wie ich mir das gerade vorstelle. Man muss sich möglichst die richtigen Leute mit reinholen und es gemeinsam machen, das ist ein enormer Beschleuniger, zu zweit ist man mehr als doppelt so stark.

 „Man muss sich möglichst die richtigen Leute mit reinholen und es gemeinsam machen, das ist ein enormer Beschleuniger, zu zweit ist man mehr als doppelt so stark.“

Wie habt ihr den Anfang geschafft? Am Anfang hat man eine Idee und viel Motivation aber kein Einkommen, wie schafft man diese erste Phase der Anschub-Finanzierung?

Das ist ein Prozess, der sich ständig entwickelt und der auch mit viel Angst einhergeht, weil man nicht weiß ob das jetzt alles für die Tonne ist, was man da gerade macht. Man hat Frau und Kind, zwölf Hobbies und einen Job, sowieso keine Zeit und macht jetzt noch was ehrenamtlich nebenher. Es kommt darauf an, in welcher Lebenslage man ist. Wir haben das nur geschafft indem wir eigentlich bis vor kurzem und teilweise immer noch in unseren ehemaligen Jobs sind oder waren. Wir haben dort die Arbeitszeit und damit auch Einkommen reduziert, so dass wir trotzdem noch unsere Rechnungen bezahlen und hier dran arbeiten konnten. Dann geht es darum, so schnell wie möglich von außen Geld auf die Sache zu bringen. Idealerweise Geld, für das man nicht haftet. Anfangs ist das viel Arbeit, wenn noch keiner bereit ist für die Idee wirklich Geld hinzulegen. Da war für uns die Crowdfunding Kampagne eine krasse Nummer. Da haben wir vor knapp anderthalb Jahren unsere Tarife in Form von Gutscheinen vorverkauft und insgesamt 180.000 Euro eingeworben. Es ging darum zu demonstrieren, dass die Idee gut ist und es da draußen Menschen gibt, die bereit sind dafür Geld hinzulegen. Als wir das hatten, waren plötzlich InvestorInnen, Banken, Darlehensformate breit uns Geld zu geben. Gleichzeitig haben wir es geschafft die Exist-Förderung zu bekommen und uns drei Stellen über ein Jahr zu finanzieren. Am Anfang ist es wenig Arbeit am Produkt, viel Arbeit an der Struktur. Das ist ein Henne-Ei-Problem. Es ist der falsche Ansatz erst nur an Struktur und Finanzierung und danach am Produkt zu arbeiten oder erst nur am Produkt. Es ist eher eine Treppe, die sich langsam nach oben schraubt.

 

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