(online) "Klima und Recht" Herbst Kongress 2020

Bundesarbeitskreises Kritischer Juragruppen
BAKJ 2020 Onlineplakat
Zusammenfassung

Mit Paragraphen den Dschungel retten?

Art der Veranstaltung
Freie Schlagwörter
Ausführliche Beschreibung

BAKJ-Kongress // ab dem 28.11.2020 // Online

Gletscher schmelzen, Wälder brennen, Permafrostböden tauen: Der Klimawandel bringt vermeintliche Gewissheiten ins Wanken. Im Jurastudium aber bleibt alles beim Alten. Wir wollen das ändern und fragen auf unserem Winterkongress: Wie trägt das geltende Recht zur Erderwärmung bei? Und können wir mit juristischem Werkzeug dazu beitragen, unser Wirtschaftssystem zu einem nachhaltigen zu machen?

Unser Kongress findet digital statt. Und weil kein Mensch Spaß daran hat, von Freitagabend bis Sonntagnachmittag vor dem Computer zu hängen, entzerren wir unseren BAKJ und machen nach einem entspannten Auftaktwochenende (28.11. & 29.11.) mit Vorträgen im Dezember weiter.

Trotz Bildschirm-BAKJ soll auch das Soziale, das Interaktive nicht zu kurz kommen. Wir möchten uns mit Euch vernetzen und auch zwischen den Vorträgen Zeit zum Austauschen nehmen.

09.45 Uhr Begrüßung und Kongressauftakt
11.00 Uhr HUARAZ: SAÚL GEGEN RWE • MIT CATERINA FREYTAG

Die Verabschiedung des Pariser Klimaabkommens 2015 geht einher mit einem – in juristischen Fachkreisen durchaus umstrittenen – Phänomen, dem der Klimaklagen. Einer der bislang Aufsehen erregendsten Fälle in diesem Zusammenhang ist derjenige des peruanischen Kleinbauern Saul Luciano Lliuya gegen Europas größten CO2-Emittenten, dem Energieversorger RWE. Der nunmehr schon fünf Jahre andauernde Rechtsstreit, mittlerweile in zweiter Instanz vor dem OLG Hamm, hat 2017 mit Eintritt in die Beweisaufnahme bereits Rechtsgeschichte geschrieben: Erstmals überhaupt hat ein Gericht anerkannt, dass Großemittenten für ihren Verursachungsbeitrag an klimabedingten Schäden und Risiken zur Rechenschaft gezogen werden können.

Im Rahmen des Eröffnungsvortrags wird gemeinsam mit den Referentinnen Caterina Freytag und Roxana Baldrich am Beispiel des Rechtsstreits Luciano vs. RWE hinter die Kulissen des Klimaklagephänomens geblickt, kritisch Bilanz gezogen und ein Ausblick gewagt: Wie steht es um Klimaklagen weltweit, welche Trends zeichnen sich ab? Was können Gerichte im Klimaschutzrecht leisten? Über welche Legitimation verfügt strategische Prozessführung und wie wirkt sie sich als systemischer Hebel auf Geschäftsmodelle emissionsintensiver Unternehmen und die internationale Klimaverhandlungen aus? Wo steht das Gerichtsverfahren Luciano vs. RWE derzeit? Und inwieweit verbessern nicht zuletzt auch Fortschritte in den Klimawissenschaften (insbesondere der Zuordnungswissenschaften) die Erfolgsaussichten solcher und ähnlicher Klagen?
13.00 Uhr gemeinsame Mittagspause
15.00 Uhr KLIMAFLUCHT • MIT SABINE MINNINGER

Gerade die ärmsten Bevölkerungsgruppen, die nicht zum Klimawandel beigetragen haben, sind von seinen negativen Folgewirkungen betroffen. Besonders tragisch ist es, wenn ihr Lebensraum aufgrund der schleichenden Klimaveränderungen verloren geht und Menschen es aus eigener Kraft nicht mehr schaffen, nach Extremwetterereignissen in ihrer Heimat zu bleiben – und fliehen müssen. Nach Angaben des International Displacement Monitoring Centre (IDMC) sind seit 2008 aufgrund von Naturkatastrophen jährlich 26,4 Millionen Menschen zur Flucht gezwungen worden. Der Klimawandel wirkt als Fluchtverstärker. Bisher gibt es gute Ansätze, aber noch keinen wirklichen Schutzmechanismus für Menschen, die aufgrund des Klimawandels ihre Heimat verlassen müssen. Gemeinsam möchten wir diskutieren, wie diesen Menschen geholfen werden könnte, mit den Folgewirkungen des Klimawandels umzugehen, damit für sie ein Leben in Würde möglich ist.

zur A N M E L D U N G