Art des Artikels
Interview
Autor
Leonie

„Mich hat überrascht, dass wir uns alle ziemlich einig waren.“ - Stimmen aus dem Klimabürger:innenrat

Klimabürger:innenrat Teil 2
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Zusammenfassung

Wir wollten wissen, wie erleben teilnehmende Bürgerinnen und Bürger den Klimabürger:innenrat? Und was macht das mit Ihnen? Fünf Menschen haben ihre persönliche Erfahrung mit uns geteilt.

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In Teil 1 der Serie zum Klimabürger:innenrat (KBR) könnt ihr die Hintergründe zum Projekt aus erster Hand erfahren. Wir haben mit Marina Leibfried - der konzeptionellen Leiterin und Hauptmoderatorin des KBR - und Daniel Hieckel - dem  Projektleiter des Bürger:innenrats und Geschäftsführer von AllWeDo e.V - gesprochen.

>>Teil 1 lesen.

 

Hier im Teil 2 bekommt ihr einen Einblick in die Perspektive der Teilnehmenden. Wir haben für euch nachgefragt. wie die Menschen im Bürger*innenrat das Format finden, wer sie sind und was sie antreibt. Lest und hört, wie Jan, Martina, Mateo, Petra und Stefan den KBR erleben.

 

Jan-Savin Schieber

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  • 20 Jahre alt

  • Jan ist geboren und wohnhaft in Freiburg.

  • Er macht einen Bundesfreiwilligendienst bei den Maltesern im Krankentransport / Rettungsdienst.

Mich hat überrascht, dass wir uns alle ziemlich einig waren.“

Es ist einerseits ernüchternd, wie die Welt sich entwickelt [in Bezug auf die Klimakrise, Anm. der Red.]. Wir stoßen immer mehr Emissionen aus. Auf der anderen Seite denke ich mir, aufgeben ist auch keine Lösung. Ich sehe in mir die Aufgabe, die Thematik weiter zu verbreiten.“

“Klar die Bevölkerung kann schon Veränderungen hervorrufen, auch durch direkte persönliche Maßnahmen. Aber ich glaube, dass das Meiste über die Politik und die Wirtschaft bzw. die großen Konzerne geschehen muss.”

Ich erhoffe mir, dass der Klimabürgerinnenrat den schnellen Ausbau der erneuerbaren Energie in Freiburg und Umland bewirkt. Realistisch gesehen wird das wohl nicht ganz so optimistisch laufen. Aber ich hoffe auf die Präsenzwirkung, die Bevölkerungsarbeit, also Werbung oder Marketing für das Thema, um zu zeigen: Es ist möglich. Klar man muss sich hinsetzen und es wird einiges kosten, aber lieber jetzt das Geld reinstecken als später das zehnfache für die Folgen ausgeben zu müssen.“

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Martina Weisser

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  • 58 Jahre alt
  • Martina wohnt in der Gemeinde Buchenbach Freiburg.
  • Sie leitet eine Schulbibliothek, ist vielfache Mutter und Großmutter und hat gerade geholfen einen Dorfladen zu gründen.

 

“Für mich war diese politische Arbeit etwas völlig Neues. Ich sehe es auch sehr als politische Bildung für mich und dass das Thema durch mich auch vervielfacht wird, weil ich natürlich viel darüber spreche.”

“Natürlich wird man, wenn man sich mit einem solchen Thema beschäftigt, aufmerksamer. Ich mache, auch weil ich aufmerksamer bin, gerade eine Fortbildung zu transformativer Pädagogik in Freiburg.“

“Ich finde es wahnsinnig spannend die verschiedenen Menschen zu treffen, die da zusammen kommen.”

“Ich wünschte das Format ginge länger. Ich hätte gerne noch mehr Input und freie Zeit darüber zu reflektieren in der Gruppe.”

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Mateo Cortes

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  • 25 Jahre alt
  • Mateo wohnt seit ein paar Monaten in der Gemeinde Gundelfingen und kommt ursprünglich aus Südamerika.
  • Er studiert Humanistik und Kognitionswissenschaften und arbeitet als Programmierer für ein Start-Up und an der Uni Freiburg als Tutor.

 

“Es ist eine gute Möglichkeit für junge Menschen wie mich etwas Konkretes für die Klimapolitik zu tun.”

“Wenn ich Kritik habe, dann ist es meine Pflicht als Bürger da mitzumachen, um die Veränderung, die ich haben will, zu implementieren.”

“Es gibt einige Lösungen, die vorgeschlagen worden sind, über die ich mir nie Gedanken gemacht habe.”

“Es ist sehr gut, dass es auch Initiativen gibt, die von der Bevölkerung zur Politik kommen und nicht nur von der Politik zur Bevölkerung.“

“Ich würde in meinem Leben wenig ändern. Ich mache schon sehr vieles, bin vegan, habe kein Auto, fahre jeden Tag Fahrrad, kaufe keine neue Kleidung. Ich würde meinen Lebensstil so nicht ändern. Aber ich möchte zukünftig als Bürger in Photovoltaik-Anlagen in der Gemeinde investieren.”

“Im Klimabürger:innenrat lernt man sehr viel, man entdeckt neue Möglichkeiten. Man hat die Möglichkeit konkrete Sachen zu implementieren, die dazu beitragen, die Klimaneutralität zu erreichen. Einfach mitmachen, es ist super cool!”

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Stefan Falk

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  • 64 Jahre alt
  • Stefan wohnt in Elzach.
  • Er ist Kraftfahrzeugmechaniker-Meister und Fahrzeuglakierer-Meister und an einer Schule in Lahr tätig.

 

“Viele Dinge waren total neu, zum Beispiel, dass man, um ein Windrad zu genehmigen, ein 1000-seitiges Dokument anfertigen muss.”

“Hauptsächlich habe ich für mich neuen Antrieb mitgenommen. Ich verspüre einen Drang noch viele Leute in kürzester Zeit zu überzeugen und z.B. ein Tausend-Dächer-Photovoltaik- Programm zu realisieren mit einer Bürgergenossenschaft.”

“Es ist ganz wichtig, dass wir eine "schulterschlüssige" Gemeinschaft bekommen. Es kann nicht sein, dass sich ein Bürger:innenrat mit der Entwicklung den gesamten alternativen Energien beschäftigt und gleichzeitig die Kohlekraftwerke wieder stark in Betrieb genommen werden und dass es Diskussionen gibt, alles mögliche wieder nach hinten zu schieben. Ich glaube, das ist nicht mehr zeitgemäß.”

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Petra Herrmann

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  • 54 Jahre alt
  • Sie wohnt in Neuenburg-Steinstadt.
  • Sie ist “absoluter Zahlenmensch” und arbeitet als Lohn- und Gehaltsbuchhalterin in einem Unternehmen in Freiburg.

“Ich finde das Format super cool. Es hat für mich nur einen kleinen Wermutstropfen nämlich, dass es zeitlich begrenzt ist.”

“Zu erfahren wie weit der Klimawandel fortgeschritten ist, hat mich erstaunt. Da war ich ziemlich perplex. Umso dringender ist es, dass man tatsächlich was tut.”

“Wir erarbeiten Handlungsvorlagen und ich bin noch skeptisch, inwieweit das von den Verantwortlichen angenommen und umgesetzt wird. Was nutzt es, wenn wir unglaublich viel Arbeit reinstecken und es dann in einer Schublade landet?”

“Ich wünsche mir, dass der Prozess bewirkt, dass die Stadt, die Gemeinden, Bürgermeister, Gemeindeverwaltung und Ortsvorsteher nochmal dafür sensibilisiert werden, dass das Thema dringender angegangen werden muss, nicht erst gestern, sondern am besten vorgestern schon.”

“Jeder kleine Schritt, den man selber machen kann, ist ein Schritt in die richtige Richtung.”

“Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele Leute darüber nachdenken, was sie tun können und das tatsächlich umsetzen. Und wenn es nur kleine Schritte sind, das ist immer noch besser als gar nichts.”

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Mehr über den Klimabürger:innenrat erfahren:

Wie funktioniert der Klimabürger:innenrat? - Antworten der Organisator:innen

Und zurück zu den Anfängen: Als die erste Ideen für einen KBR in der Region Freiburg entstand, haben wir im April 2021 mit Kira Hoffmann von der Initiative Klimabürger:innenrat Region Freiburg gesprochen. >> Zum Artikel "Demokratieprojekt Klimabürger:innenrat für Freiburg"

 

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Titelbild: AllWeDo e.V.

Zuletzt geändert
28.07.22, 17:38