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Veröffentlicht am Freitag, 17. Juli 2020 von (bearbeiet: 17.07.20, 22:17)

"Wo waren die Gegenstimmen?"

Rückblick auf die Debattenarena
Zusammenfassung

Am Mittwoch fand die Debatten Arena zum Fuß und Rad Entscheid im Bürgerhaus Zähringen statt. Live oder online konnten die Teilnehmenden ihr Meinung kundtun. Fast der ganze Saal war sich einig: Der Fuß- und Radentscheid ist eine gute Idee. Wo waren die Gegenstimmen?

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Hinweis: Dies ist eine Zusammenfassung einer Veranstaltung. Die dargestellten Meinungen müssen nicht der Meinung der Redaktion entsprechen. Es handelt sich um eine Kurzzusammenfassung, bei der einzelne Inhalte des Gesagten zugunsten der Prägnanz weggelassen wurden. Wir bitten um Hinweise, falls es dadurch zu Fehlinterpretationen kommt.

 

Die Debatten-Arena soll als Werkzeug zur politischen Streitkultur dienen. Sie ist eine Möglichkeit, sämtliche Stimmen zum Thema zu Wort kommen zu lassen, miteinander zu reden und dadurch Demokratie zu fördern. Dafür hat die Initiative Fuß- und Radentscheid Freiburg breit zur Debatten Arena eingeladen, anwesend waren fast nur Befürwortende des Fuß- und Radentscheids.

Wer war da?

Moderation

Die Veranstaltung wurde vom Thomas Uhlendahl und Marie Hägele von memoU moderiert:

"Seien sie mutig und üben sich im konstruktiven diskutieren und zuhören. Alle sind eingeladen ihr Sichtweise persönlich und sachlich darzulegen."

Initiative Fuß- und Radentscheid

Fabian Kern aktiv beim VCD und der Initaitive Fuß- und Radentscheid sagte zu Beginn, man hätte sich bemüht alle zu erreichen und einzuladen. Fabian Kern stellte den FR-Entscheid und die Forderungen vor. Mehr dazu unter fr-entscheid.de

Fabian Kern lobte zudem den Gemeinderatsbeschluss vom 14.07.20, der mit einer Mehrheit bestätigt wurde. Darin seien folgende Maßnahmen enthalten:

  • Innenstadtring "light" über Rotteckring

  • Ausweisung von Fahrradstraßen

  • Vereinzelte KfZ-Parkplätze in Fahrradabstellplätze umwandeln

  • Einführung von Grünpfeilen für Radfahrende

  • Toleriertes Gehwegparken wird beendet

Stadtverwaltung

Baubürgermeister Martin Haag unterstützt die Veranstaltung, weil sie einen Beitrag zur qualitativen Debatte in der Demokratie liefere. Er ist der Meinung, dass in Sachen ÖPNV, Fuß- und Radverkehr in Freiburg bereits viel getan worden sei, aber er glaube auch, dass es noch viel zu tun gibt um die Klimaziele zu erreichen. Seine Kritik am Fuß- und Radentscheid: Man würde sich die Dinge zu einfach machen. Er informiert darüber, dass es bereits einen guten Austausch zwischen der Initiative und der Stadtverwaltung gebe.

Teilnehmende aus der Zivilgesellschaft

Von den Teilnehmenden bekannten sich nur sehr wenige dazu, tägliche das Auto zu nutzen. Fast alle gaben an, regelmäßig Fahrrad zu fahren. Die Teilnehmenden äußerten sich fast durchweg positiv zum Fuß- und Radentscheid.

Eingangsstatements

Pro Auto:

Andreas Müller, ADAC Südbaden:

  • Die frühere Einstellung des ADAC „dem Auto gehört die Straße“ hat sich geändert.

  • Der ADAC will das nachhaltige Verkehrskonzept der Zukunft mitgestalten.

  • Die zur Verfügung stehende Fläche soll so aufgeteilt werden, dass alle sicher und zufrieden sind.

  • Wie können wir den Raum so aufteilen, dass wir den Verkehrsfluss nicht bremsen?

  • Aufenthaltsqualität im öffentlichen Raum für alle erhöhen.

„Natürlich haben wir in Freiburg noch Verbesserungspotential, aber wir sollen versuchen konstruktiv zusammen zu arbeiten.“

Handirk von Ungern-Sternberg, Handwerkskammer (nicht live anwesend, per Sprachnachricht):

  • Die Mobilitätswende ist eine positive Entwicklung

  • Handwerkskammer steht hinter der Wende und profitiert auch davon, wenns richtig gemacht wird.

  • Parkflächen in Freiburg wurden weniger, Handwerksbetriebe sind genervt vom Parkplatzmangel → Betriebe versuchen innerstädtische Aufträge zu vermeiden.

  • Es geht bei Klimazielen nicht nur um Mobilität, sondern auch um das Thema Bauen und Sanieren.

  • Dafür brauchen das bauende und sanierende Handwerk (bzw. dessen Fahrzeuge) Platz in der Stadt .

  • Sinnvolle Verteilung des öffentlichen Raums. Modalsplit greift zu kurz.

Pro Rad- und Fußverkehr

Jörg Isenberg, Initiative Fuß- und Radentscheid:

  • Wir tun zu wenig gegen das Klimaproblem, vor allem im Bereich Verkehr.

  • Klimaziele wurden in Freiburg aufgestellt, aber noch nicht erreicht → Es muss mehr geschehen.

  • Fahrrad als Lösung für eine echte Verkehrswende.

  • Radfahren schnell und sicher für alle Altersgruppen.

  • Direkte Verkehrsführung notwendig, keine gemischten Wege mit zu Fuß Gehenden

  • Flächen umverteilen.

„Es ist die einfache Entscheidung: Wollen wir der nächsten Generation eine lebenswerte Zukunft hinterlassen?“

Ingrid Marienthal, Initiative Fuß- und Radentscheid:

  • Fokus auf Fußverkehr und auch die Menschen

  • Menschen sind im öffentlichen Raum eingeschränkt und gefährdet

  • Gehwegparkende Autos nehmen Platz und Sicht

  • Begegnung, Erholung und städtisches Leben ist für alle ein Gewinn

„Wir fordern menschengerechte Straßen und ein komfortables, barrierefreies Netz für den Fußverkehr“

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Teilnehmende

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Teilnehmende

Was waren die Meinungen unter den Teilnehmenden?

Blitzlichter in Stichpunkten:

  • Debatte auf öffentlichen Raum ausweiten, nicht nur Verkehrswege.

  • Zu langsame Umsetzung der Maßnahmen, um die Klimaziele der Stadtverwaltung zu erreichen -> Beschleunigung des Prozesses diskutieren.

  • Wo sind die Gegenstimmen der Autofahrenden während der Debattenarena?

  • Parkplätze für Gewerbetreibende und Diensleistende freihalten und privates Parken einschränken.

  • Horizontale Vernetzung im kleinen Raum, persönlich mit der anderen Seite sprechen.

  • Pendelnde in der Debatte mehr beachten.

  • Anreize schaffen, um den innerstädtischen Güterverkehr (zumindest teilweise) aufs Fahrrad umzustellen.

  • Kurze Wege, die mit dem Auto gefahren werden, unterbinden.

  • Kein Anrecht auf Parkplatz.

  • Warum sind das Rieselfeld und andere neuere Bauprojekte nicht so innovativ geplant wie Vauban?

  • Mehr Lobby für die zu Fuß Gehenden und Kinder. Mehr Treffpunkte im Öffentlichen Raum statt Parkplätze.

Zitate der Teilnehmenden:

"Das ist das St Florians Prinzip: Wenn es mehr Radwege gibt ist das schön, wenn der Parkplatz vor dem Haus dafür weg muss ist da nicht mehr so viel Zustimmung"

"Das ist kein Entscheid gegen Autos, sondern für mehr Raum für alle, der Rest ergibt sich von selbst."

"Man muss die Menschen mitnehmen, die von einer Entscheidung durch eventuelle Einschränkungen betroffen sind!"

"Politik muss auch Entscheidungen vorantreiben, die erstmal nicht so populär sind"

"Ich fordere gratis öffentlichen Nahverkehr. Nicht nur wegnehmen, sondern auch Angebote machen, für Diskussionen ist keine Zeit mehr!"

"Online buchbare Parkplätze für Dienstleitenden."

"Besserer Ausbau der Radschnellwege ins Umland für Pendelnde."

"Vermeidung von Schleichverkehr, abkürzende Autos sollen verhindert werden, Räder sollen durchkommen."

"Eine Öffi-App für ganz Baden-Württemberg, in der alles gebucht werden kann, auch Carsharing"

„Vielleicht muss man mal den Alltag ein bisschen entschlacken. Dann ist mehr Zeit für Bewegung und Fortbewegung mit dem Rad. Nicht nur der Verkehr, sondern auch unsere Lebensweise ist eine Stellschraube“

Stimmen aus der Stadtverwaltung:

  • Umgang mit Parkplätzen als Stellschraube der Stadtverwaltung. Private Parkplätze ausweisen, nur wenn die Bewohner*innen dafür sind. Stadtverwaltung holt Votum für oder gegen Parkraumbewirtschaftung ein. Es müssen die Menschen mitgenommen werden, die von einer Entscheidung durch eventuelle Einschränkungen betroffen sind.

  • Warum kann man dem Sedanquartier die Parkplätze klauen? Dort gibt es bereits nur wenige Parkplätze. Man muss sich mit den Industriegebieten befassen.

Was nehmen die Teilnehmenden am Ende der Veranstaltung mit?

"Schade, dass man nur in der eigenen Blase diskutiert hat."

"Mobilität hat was Individuelles und gleichzeitig sollte das Auto nicht unser Ziel sein."

"Man sollte nicht immer nur Autofahrende bashen. Die Radfahrenden sollten sich auch so verhalten, wie sie es sich auch von den Autofahrenden wünschen."

"Wer fährt Auto und warum? Wir sollten die Menschen überzeugen, die das Auto nutzen, weil es momentan das sicherste und bequemste Verkehrsmittel für sie ist."

"Sicherheit ist ein Recht, Bequemlichkeit nicht."

"Einpendelnde haben kein Stimmrecht beim FR-Entscheid"

"Vielleicht sind die Forderungen des FR-Entscheids nicht provokant genug?"

"Verstärkung des Gewinns und der Vision einer zukünftigen Mobilität"

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